#ijf14: Journalismus und Kreativität

Vermutlich kennt jeder Journalist das quälende Gefühl vor einer weißen Seite mit blinkendem Cursor zu sitzen. Oder schon vorher in der Recherche festzustellen, dass schon viele Geschichten geschrieben wurden über das Thema, das man sich gerade auch ausgesucht hat.

Weil ich beide Situationen kenne, hat mich der Vortrag des niederländischen Journalisten Karel van den Berg beim International Journalism Festival (#ijf14) in Perugia angelockt: „Journalistic creativity: how to find original stories and distinctive angles at newsroom speed“.

Seine Hauptthese: Bei Kreativität geht es darum, aus gewohnten Mustern auszubrechen. Wobei Journalismus uns meistens zwingt, in Mustern zu denken: Durch unsere Fähigkeiten, Routine im Redaktionsalltag, unsere Expertise, dadurch, dass wir Logik unterstellen, Annahmen treffen und niemals vorurteilsfrei sind (oder sein können).

Schon wenn wir „nur“ beobachten und eigentlich versuchen möglichst das gesamte Bild aufzunehmen, fokussieren wir uns (unbewusst) auf das, was wir beobachten wollen. Ein Beispiel? Van den Berg brachte das hier mit:

Dasselbe passiert wenn wir anfangen, die falschen Fragen (oder nicht „alle“ Fragen) zu stellen, weil wir uns so automatisch auf das falsche Muster einschießen – wie viele rote Punkte seht ihr auf dem Bild?

red dots

Fünf, stimmt. Und was fällt euch sonst noch so auf…?

Um nicht in selbst gestellte Fallen zu tappen, schlägt van den Berg folgende Strukturierung des kreativen Prozesses vor [es folgen meine Vortragsnotizen, die sind auf Englisch; wer Niederländisch spricht: van den Berg hat ein Buch darüber geschrieben]

Creative process:
1. What kind of idea are you looking for? (Phrase positive, be precisely, be as ambitious as you can – this gives room to creativity)

2. Find as many ideas as you can („quantity is quality“, quickly)

3. Postpone judgement (to join creativity with journalism, hardest part, don’t blame routine/older colleagues || seperate creation from realization || dealing with serial idea killers: what value can we add?)

4. Choose good ideas (not: skipping the bad ones)

>> THE idea!

Außerdem gab er den Rat, dass man einen Trick finden muss, keine Optionen zu übersehen – um möglichst alle Perspektiven auf einer Geschichte zu kennen und nicht aufzuhören nachzuhaken.

Sein Vorschlag: an jede der berühmten W-Fragen ein „noch?“ anzuhängen – und fünf Minuten mit Brainstorming zu jeder dieser Fragen verbringen. Mit der Ausbeute dessen noch einen Schritt weitergehen und ebenfalls an die Fragen ein „…auch?“ oder ein „…nicht?“ anzuhängen.

Der take-away-messages noch nicht genug, folgten noch diese drei Tipps:

Remember 3 things:

  • When you think you get stuck, you reached the boarders of your patterns
  •  don’t be satisfied too early: Continue brainstorming even after the most brilliant idea
  • if there is no good idea – it is no problem. Subconsciously thinking goes on anyway: 80% ideas come from sleep time

 

 

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3 Gedanken zu “#ijf14: Journalismus und Kreativität

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