Was ich nicht verstehe (4): Wo bleibt die Innovation?

Duplizierte Inhalte, soweit das Auge reicht (CC-BY 2.O: bettyx1138/flickr.com)

In letzter Zeit lese ich besonders viel Zeitungen, Magazine, Online-Texte. Dabei stelle ich immer wieder frustriert fest, wie oft Journalisten voneinander abschreiben.

Konkret fiel es mir auf, nachdem ein anderer Journalist für das Radio exakt die gleiche Geschichte erzählte, wie ich zwei Monate zuvor für Zeit Online aufgeschrieben hatte.

Nicht falsch verstehen, ich finde es ja gut, dass interessante Themen von vielen Medien aufgegriffen werden. Aber kann man nicht einen eigenen Zugang zum Thema suchen?

Ich finde es schlicht unverschämt, so zu tun, als wäre man der erste, der das Thema hat (vor allem, wenn wie bei erwähntem Beispiel fast zwei Monate zwischen den Erscheinungsterminen liegen…). Dabei geht es nicht um Eitelkeiten, sondern einfach um Ehrlichkeit. (Gerade wo wir Journalisten uns so herrlich über die Unehrlichkeit anderer echauffieren können…).

Denn wenn man dann so ehrlich ist, den netten (wenn auch stilistisch nicht so schönen) Einschub „wie XY berichtete“ hinzufügt, steht man unweigerlich vor dem nächsten Dilemma: Denn gegebenenfalls merkt der Leser dann, dass man nur wiederkäut. Peinlich, das.

Vielleicht sollte man als Journalist das aber trotzdem tun, um sich selbst zu etwas zu zwingen, was der Qualität des Stückes nicht schaden würde: den Inhalt weiterzudrehen, das Thema aus einer anderen Perspektive zu sehen, meinetwegen einen weiteren Experten um Einordnung bitten. Bislang hielt ich das ja für selbstverständlich, so habe ich das gelernt. Offenbar haben das aber nicht alle Journalisten mit auf ihren Berufsweg bekommen.

Und das Argument „es gab aber nichts mehr, was man noch hätte erzählen können“, gilt nicht. Ich halte mich selbst nicht für so brillant und perfekt, dass es nicht jedes Mal noch einen Aspekt gebe, den man ausführen könnte. Und ich pauschalisiere einfach mal, dass das nicht nur für mich und meine Texte gilt…

Macht Mühe? Kann schon sein, aber ich dachte, genau das sei unser Job. Dass wir dafür bezahlt werden, uns Mühe zu geben, statt faul abzuschreiben. Macht doch auch mehr Spaß. Und soweit ich weiß, darf unser Job durchaus Spaß machen.

Zu guter Letzt: Wie wäre es, einfach mal nach neuen Themen zu suchen? Vielleicht auch mal auf ein Thema verzichten, das die Konkurrenz hat. Denn wenn alle sein wollen, wie das eine Medium und sich anbiedern – dann braucht man auch nicht mehr, als eben jenes einziges Medium.

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