Was ich nicht verstehe (3): (Kein) Mut zur Lücke

Eine Frage treibt mich um: Zeichnet sich Qualitätsjournalismus nicht auch dadurch aus, bestimmte Meldungen und Themen NICHT zu bringen?

Klar, von der einen Warte aus: Dieser Konkurrenzgedanken. Die anderen sollen nichts haben, was wir nicht auch haben.

Von der anderen Warte aus: Aber man will sich im Mediendschungel doch eigentlich von einander unterscheiden.

Von der einen Warte her: Aber man kann ja das Thema so angehen, dass klar wird, warum es eigentlich kein Thema ist.

Von der anderen Warte her: Damit man dann in den Kommentaren hört, dass dieser Bericht ja nun wirklich kein Thema sei und – eigentlich entscheidender – dass man Zeit mit einem Thema verbringt, das keines ist, während es andere gäbe, die welche sind.

***

Ich weiß nicht, welche dieser Sichtweisen richtig/sinnvoll/nachvollziehbar ist. Vielleicht habt ihr einen Vorschlag?

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3 Gedanken zu “Was ich nicht verstehe (3): (Kein) Mut zur Lücke

  1. Das Dilemma löst glaube ich jede Redaktion auf ihre eigene Art. Die Meisten entscheiden von Fall zu Fall und nach Bauchgefühl – was wahrscheinlich die einzige Möglichkeit ist, denn beide Warten haben nun einmal ihre Berechtigung.

    Wenn ein Thema wichtig ist, darf man es bringen, auch wenn andere es schon haben. Redakteure überschätzen meiner Meinung nach die Anzahl der zusätzlichen Zeitungsabos, die ihre Leser haben.

    Für mich persönlich aber die schönste Antwort hat eine bekannte Wochenzeitung parat – mit ihrer kleinen Rubrik „Prominent Ignoriert“.

  2. Vielen Dank für deinen Kommentar, Laura! Mir ging es gar nicht so sehr um das „bringen dürfen“ einer Nachricht, wenn wer anders sie schon hatte. Sondern um den (gefühlten) Zugzwang, der zu entstehen scheint, wenn „das“ Online-Leitmedium die Nachricht XY hat. Ich wundere mich dann bisweilen, dass es ein Argument ist, dass „die“ die Nachricht schon hatten – und man es aus diesem Grund auch macht/“machen muss“. Ohne einfach mal kurz innezuhalten, einen Schritt zurückzugehen und zu überlegen, ob man selbst das Thema überhaupt für berichtenswert hält. Hast Du soetwas noch nicht erlebt?

  3. Hm, in Bezug auf _das_ Online-Leitmedium ;-) nicht. Wär auch ziemlich sinnlos, schließlich machen die viel Nachrichten-Journalismus, der darauf abzielt, ja nichts auszulassen.

    Was ich erlebt habe und auch nachvollziehen kann ist tatsächlich eher das Gegenteil: Das Thema ist jetzt durch, wir können es nicht mehr bringen. Wenn SPON und noch mehrere (!) weitere deutsche Medien das Thema schon hatten, dann muss man entweder einen neuen Dreh dran finden – oder man lässt es. Dann ein, zwei Tage später nur eine kurze Meldung dazu zu machen lohnt nicht. Ist mir zum Beispiel bei dieser wunderschönen Geschichte so gegangen: http://blogs.nature.com/news/2012/09/buddhist-iron-man-found-by-nazis-is-from-space.html (Nature hatte das Paper ausgegraben, nachdem es schon zwei Wochen erschienen war, damals unbeachtet in einem kleinen Journal; SPON hat es bei Nature gesehen und daraufhin über das Paper berichtet, ebenso ein paar andere Medien. Das als langsames Wochen- oder Monatsmedium deutlich später zu bringen hat einfach keinen Sinn. Und ein neuer Dreh außer: das ist skurril & Nature hat die perfekte Überschrift demonstriert – ist uns nun leider nicht eingefallen.)

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