Der Leser, das unbekannte Wesen

Disclaimer: Dies ist ein Post mit sehr banalem Inhalt.

Normalerweise sieht und hört man ihn nicht – den Leser, das unbekannte Wesen. Aber online ist es da. Und kommentiert.
Normalerweise belächle ich die Appelle an Kollegen an anderer Stelle, dass das doch eine großartige Möglichkeit ist und noch mehr deren Wunsch, Regeln dafür zu haben.
Seit meinem ersten echten Kontakt, belächle ich sie nicht mehr. Und kann aus eigener Erfahrung doch zwei Regeln benennen (auch wenn immer gesagt wird, dass das unmöglich ist. Stimmt nicht. Sind bloß so banal, dass es merkwürdig ist sie aufzuschreiben.)

Der Online-Journalismus hat ja aus Journalisten-Sicht den schönen Vorteil, dass man dem Publikum ein Stückchen näher ist, als das beispielsweise bei einer gedruckten Zeitung, einer Fernsehsendung oder einem Radiobeitrag.
Und im Idealfall ist man nicht nur näher dran, sondern kann auch noch mit dem Leser (dem sonst unbekannten Wesen) kommunizieren.

Denn normalerweise weiß man über seinen Leser nicht viel mehr, als zu welcher Zielgruppe er ungefähr gehört. Aber man weiß nicht, was er gern lesen würde und man weiß auch nicht, was er schon weiß. (Mein Chef beim Handelsblatt hat mir den klugen Hinweis gegeben, dass alle Leser zusammen immer mehr wissen werden, als ich allein).

Aber auf einmal ist es da, das unbekannte Wesen, und kommentiert. Und dank den Möglichkeiten des Internets kann man sogar antworten.

Ganz pragmatisch formt sich ein ganz banaler Gedanken: Wie kommuniziert man mit einem unbekannten Wesen?

Ich weiß nicht, ob es allein meine persönliche Macke ist, über manches zu viel nachzudenken – oder ob es den besagten Kollegen, genauso geht.

Bislang habe ich – zugegeben – immer nur geschmunzelt über die Appelle an die Kollegen, die einfach skurril wirken, weil das für mich Selbstverständlichkeiten sind.

Theoretisch. Ziemlich genau so lange, bis das unbekannte Wesen auf einmal da ist. Und kommentiert.

Dann gibt’s das erste Problem: man befindet sich zumindest gefühlt in einer Angriff-Verteidigungssituation. Das ist schon der erste Denkfehler.
Für die angreifenden Nörgler sollte man glaube ich dringend einfach eins lernen: Gelassenheit.
Für die (konstruktiven) Kritiker gilt, was auch so banal klingt, dass man schmunzeln muss: reden, wie mit jedem anderen auch. So, als würde man sich angesicht zu angesicht gegenübersitzen. Als würde ein guter Freund anfangen mit „Du, XY, ich habe deinen Text gelesen und verstehe nicht/glaube aber/finde…“

Schwer vorzustellen, aber wenn man es erst einmal hat :-)

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Ein Gedanke zu “Der Leser, das unbekannte Wesen

  1. Ich finde es leider schade, dass die Kommentarfunktion so selten sinnvoll genutzt wird. Oft reicht ein Stichwort in einem Artikel und die Kommentare verselbstständigen sich. Da entsteht dann eine teils seitenlange Paralleldiskussion. Gerade bei IT-Themen immer wieder zu beobachten, das Heise-Forum ist dafür geradezu berüchtigt.

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