Was ich nicht verstehe (2): Die Expertenfrage

Bislang habe ich noch kein Bewerbungs- oder Vorstellungsgespräch für irgendetwas Journalistisches erlebt, bei dem ich nicht gefragt worden bin, für was ich denn Expertin sei.

Ich versuche es dann zunächst immer mit „Ich bin Expertin für Wissenschaft“, was meist zu der Nachfrage „ja, aber für was denn genau?“ führt. Und diese Nachfrage verstehe ich nicht so ganz. Ich verstehe, wenn diese Frage  jemandem gestellt wird, der beispielsweise Politik studiert hat. Davon gibt es erstmal mehr Leute, weshalb Spezialisierung einleuchtenderweise wichtig ist. Zweiter Grund: auch in den „Spezialgebieten“ der Politik passiert (fast) täglich genug, dass eine Berichterstattung sichert und rechtfertigt.

Aber genau das ist in der Wissenschaft eben nicht der Fall. In meinen zwei Spezialgebieten (durch diverse Module und Abschlussarbeiten festgelegt) – Tumorbiologie und Neurobiologie – passiert vielleicht ein oder zwei Mal im Monat etwas, über das es sich für ein breites Publikum zu berichten lohnt.

Wenn ich das sage schaut mein Gegenüber meist etwas ratlos bis unglücklich. Das verstehe ich noch weniger und setze in der Regel nach mit:

„Aber was ich vor allem im Studium gelernt habe ist, mich schnell in mir unbekannte Sachverhalte einzuarbeiten.“

Meiner eigenen persönlichen Ansicht nach ist eine Eigenschaft, die etwas mindestens ebenso wichtig ist im Journalismus, wie eine „Spezialisierung“, wenn nicht sogar noch mehr.

Trotzdem habe ich eigentlich jedes Mal das Gefühl, dass diese Eigenschaft für das jeweilige Gegenüber nicht zählt.

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