Gedankenverloren und sprachlos

Ich bin ja wirklich selten sprachlos, aber als ich heute morgen Nachrichten gehört habe war es so weit.  Die Nachricht: Innovationsminister Pinkwart hat angekündigt, dass einige Universitäten zum Sommersemester ihre Lehrpläne entschlacken wollen und die Anwesenheitspflicht in Vorlesung reduziert werden soll. In Reaktion auf die vielen Studentenproteste im vergangenen Sommer.

Es ist herzergreifend erfrischend, dass der Titel der Pressemitteilung lautet „Pinkwart zieht positives Zwischenfazit zum Bologna-Check“ – so nach dem Motto „alles ist auf bestem Wege“.

Die Tatsache, dass man sich auf Studentenproteste aus dem vergangenen Sommer – der nun auch schon wieder eine Weile her ist – beruft, ist ja schon ein Genuss an sich.

Aber dann mit der Haltung an die Sache zu gehen „schaut her, es tut sich was!“, lässt irgendetwas in mir aufkochen, weil es an Dreistigkeit schon fast nicht mehr zu überbieten ist.

Es ist ja nicht so, dass diese Missstände erst seit letztem Sommer bekannt wären.

Es ist auch nicht so, dass die Bologna-Reform erst vergangenes Jahr durchgeführt wurde (der Prozess begann 1999).

In Wirklichkeit ist es so, dass die ersten Bachelor-/Masterstudiengänge zum Beispiel an meiner Uni bereits 2003/2004 eingeführt wurden.

Aber anscheinend hat man bei der Einführung nicht allzu viele bis gar keine Gedanken an zum Beispiel die Entschlackung der Lehrpläne verloren. Diese Gedanken macht man sich erst sieben Jahre später (und nach heftigen Protesten) und erwartet anscheinend allen Ernstes noch ein „Hurra“, ein schulterklopfendes „Gut gemacht“, ob der Tatsache, dass man jetzt angefangen hat, darüber nachzudenken.

Und das ist etwas, das mich sprachlos macht.

Das, womit da seit sieben Jahren „experimentiert“ wird, ist zufälligerweise meine Bildung. Mein Kapital, das, worauf ich später mal mein Leben aufbauen können sollte.

Und die Politik „experimentiert“ damit. Ich finde es enorm unlustig, dass man erst einmal munter reformiert und erst Jahre später anfängt darüber nachzudenken, was man eigentlich gemacht hat oder besser hätte machen sollen.

Bislang dachte ich, dass man sich vorher über solche Dinge ausreichend Gedanken macht (zumindest aber nicht erst Jahre später!!!). Aber da habe ich wohl zu viel erwartet. Wieder etwas gelernt.

In dem Sinne also herzlichen Dank an alle Hochschulpolitiker, die endlich angefangen haben nachzudenken!

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