Printjournalismus – ein (etwas anderes) Glaubensbekenntnis

Ich glaube an den Printjournalismus. Das ist mir in den zwei vergangenen Tage aufgefallen. An dieser Stelle gleich mehrere Gründe, wieso Zeitungen auch toll sein können und nicht – wie immer häufiger zu lesen – vom Aussterben bedroht sein sollten.

Gestern war ich im Freibad und habe mir zum Lesen „Die Zeit“ mitgenommen (Okay, eine Wochenzeitung, aber immerhin eine Zeitung). So eine Zeitung bietet gegenüber einem Buch den Vorteil, dass es einen aktuellen Bezug hat (1) und man sich nicht für ein Genre entscheiden muss, sondern aus allen Ressorts ein bisschen was hat (2). Gegenüber einer Zeitschrift enthält die Zeitung nicht so viele Informationen, die mich überhaupt nicht interessieren (3) und – zumindest gefühlt – weniger Werbung (4).

Zugegeben, das gigantische Format der Zeit erschien mir auch zuerst als nachteilig, bevor ich den gigantischen Vorteil einer so riesigen Zeitung entdeckt habe. Der lautet (in Hinblick auf meine helle Haut): Sonnenschutz (5). Ich konnte gemütlich in der Sonne liegen ohne Blinzeln zu müssen oder mit mein Dekoltée zu verbrennen – die Zeitung bot Schutz.

Beachtlich fand ich auch die Zeitung als Kommunikationsfaktor (6). Ich bin vier Mal angesprochen worden: „Haben Sie den …-Teil schon durch? Könnte ich den vielleicht haben?“ Mit einem iphone ginge das wohl kaum…

Nach diesen Anmerkungen zu Äußerlichkeiten noch ein paar Zeilen zu den inneren Werten – denn auf die kommt es bekanntlich an.

In dieser Hinsicht war die Zeit richtig gut. Im Lokalen gilt ja ein Artikel schon als lang, sobald er die 90 Zeilen überschritten hat – und zugegeben, meistens würde es bei mehr auch langweilig werden. Aber die Artikel dieser Zeit, waren trotz ihres (DIN A3- ?) Formats nicht langweilig (7) und ich habe sogar den Wirtschaftsteil gelesen, was ich sonst bei fast keiner Zeitung tue.

Was mir auch an der Zeitung gefällt, ist, dass ich die Bilder den gesamten Text über im Blick habe (8). Oder sie mich. Wie heute im Falle eines Portraits über eine schottische Schriftstellerin (ALK = AL Kennedy), deren Portrait/Interview mit einem Foto bebildert war, das die Schriftstellerin mit einem ziemlich durchdringendne Blick zeigt, der einen beim Lesen förmlich zu beobachten scheint.

Ich kann glaube ich nicht rational begründen, wieso ich das besser finde, die Bilder im Blick zu haben. Die gehören einfach zum Gesamtbild mit dazu.

Wenn ich mir jetzt anders herum überlege, ich hätte das alles digital gehabt, fallen mir noch ein paar Nachteile des Mediums Online ein.

Denn ich hätte ja irgendein Gerät im Freibad dabei haben müssen, um all das zu lesen. Und ich vermute, dass ich viel zu große Angst gehabt hätte, dass mir mein iphone oder was auch immer gestohlen wird (9), wenn ich gerade meine Bahnen im Wasser ziehe.

Dann stelle ich mir vor, wie ich mich durch den A3-Format Artikel klicken  oder scrollen müsste – auch eine eher nervige Vorstellung (10). Ganz zu schweigen davon, das  das Lesen von digitalen Displays bei Sonnenlicht eh so seine Probleme mit sich bringt (11).

Noch was Tolles: gestern im Freibad habe ich nicht geschafft alles zu lesen, aber zumindest durchgeblättert und dabei noch viele interessant klingende Texte entdeckt. Die habe ich heute gelesen. Online wäre das wohl  schon komplizierter gewesen: weil wegen durchklicken, suchen und wiederfinden. Der Nachteil der Schnellebigkeit ist vielleicht auch das Verschwinden des ein oder anderen Textes von der Startseite in die Tiefen der Verlinkungen und Ressorts. Bei einer Zeitung passiert das nicht (12).

Fazit: Ich glaube keinesfalls, dass es irgendwann keine Zeitungen mehr geben wird. Deshalb finde ich den teilweise scharfen Ton in der Printjournalismusdebatte ab und an etwas unangebracht. Mit Sicherheit wird die Bedeutung des Online-Journalismus (berechtigterweise) immer mehr zunehmen. Aber ich erfinde das Rad nicht neu, wenn ich glaube, dass Zeitungen nach wie vor beispielsweise für Hintergrund-Berichterstattungen durchaus besser geeignet sind, als das Internet. Zumindest finde ich sinnvollen Inhalt zu einem Thema besser als eine noch so toll animierte Slideshow.

Deshalb – auch wenn wir in einer Wirtschaftskrise stecken – finde ich es unangebracht, bei diversen Debatten immer gleich einen ganzen Zweig (oder Ast) einer Branche in Frage zu stellen.

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