Was ich nicht verstehe (3): (Kein) Mut zur Lücke

Eine Frage treibt mich um: Zeichnet sich Qualitätsjournalismus nicht auch dadurch aus, bestimmte Meldungen und Themen NICHT zu bringen?

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Der Leser, das unbekannte Wesen

Disclaimer: Dies ist ein Post mit sehr banalem Inhalt.

Normalerweise sieht und hört man ihn nicht – den Leser, das unbekannte Wesen. Aber online ist es da. Und kommentiert.
Normalerweise belächle ich die Appelle an Kollegen an anderer Stelle, dass das doch eine großartige Möglichkeit ist und noch mehr deren Wunsch, Regeln dafür zu haben.
Seit meinem ersten echten Kontakt, belächle ich sie nicht mehr. Und kann aus eigener Erfahrung doch zwei Regeln benennen (auch wenn immer gesagt wird, dass das unmöglich ist. Stimmt nicht. Sind bloß so banal, dass es merkwürdig ist sie aufzuschreiben.)
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Was ich nicht verstehe (2): Die Expertenfrage

Bislang habe ich noch kein Bewerbungs- oder Vorstellungsgespräch für irgendetwas Journalistisches erlebt, bei dem ich nicht gefragt worden bin, für was ich denn Expertin sei.

Ich versuche es dann zunächst immer mit „Ich bin Expertin für Wissenschaft“, was meist zu der Nachfrage „ja, aber für was denn genau?“ führt. Und diese Nachfrage verstehe ich nicht so ganz. Ich verstehe, wenn diese Frage  jemandem gestellt wird, der beispielsweise Politik studiert hat. Davon gibt es erstmal mehr Leute, weshalb Spezialisierung einleuchtenderweise wichtig ist. Zweiter Grund: auch in den „Spezialgebieten“ der Politik passiert (fast) täglich genug, dass eine Berichterstattung sichert und rechtfertigt.

Aber genau das ist in der Wissenschaft eben nicht der Fall. In meinen zwei Spezialgebieten (durch diverse Module und Abschlussarbeiten festgelegt) – Tumorbiologie und Neurobiologie – passiert vielleicht ein oder zwei Mal im Monat etwas, über das es sich für ein breites Publikum zu berichten lohnt.

Wenn ich das sage schaut mein Gegenüber meist etwas ratlos bis unglücklich. Das verstehe ich noch weniger und setze in der Regel nach mit:

„Aber was ich vor allem im Studium gelernt habe ist, mich schnell in mir unbekannte Sachverhalte einzuarbeiten.“

Meiner eigenen persönlichen Ansicht nach ist eine Eigenschaft, die etwas mindestens ebenso wichtig ist im Journalismus, wie eine „Spezialisierung“, wenn nicht sogar noch mehr.

Trotzdem habe ich eigentlich jedes Mal das Gefühl, dass diese Eigenschaft für das jeweilige Gegenüber nicht zählt.

Aus dem deutschen Schilderwald

Reingehen, statt vorbeigehen

Ein kluger Mensch hatte die Idee, hinzufahren, statt vorbeizufahren. Ich hab das mal im kleinen Maßstab nachgemacht und bin in das Café gegangen, an dem ich jeden Tag vorbei laufe.

Carpe diem.

Arbeitsweg

Es ist so still…

…weil ich seit Anfang Juli Online-Journalismus bei Zeit Online lerne. Ich habe erst sechs Wochen in der Berliner Redaktion hospitiert und bin jetzt zwei Wochen in Hamburg, und danach nochmal drei Wochen in Berlin.

Das ist keine wirklich gute Entschuldigung, aber eine Erklärung. Noch nicht gelernt habe ich, auch nach Feierabend bloggender Weise journalistisch kreativ zu sein. Aber eigentlich hat man als Journalist ja nie Feierabend. In dem Sinne gelobe ich Besserung :-)

Reset.

Was ich nicht verstehe (1): Lesegewohnheiten

Liebe gestandene Journalisten,

ich habe da mal eine Frage. Eine, die immer wieder auftaucht, wenn ich in einem Bewerbungsgespräch sitze. Sehr beliebt scheint Ihrerseits die Frage, welches Medium man regelmäßig konsumiere. Wenn ich wahrheitsgemäß antworte, dass ich viel Verschiedenes lese und mich da gar nicht unbedingt festlegen kann und will – fragen Sie meist noch einmal nach, was denn am meisten?

Was ich nicht verstehe ist, wieso Sie so „versessen“ darauf sind zu hören, dass ich hauptsächlich/immer/regelmäßig XY höre/lese/sehe?

Ich habe ja die Vermutung, dass das so ein Generationen-Ding ist: Vielleicht hat jeder von Ihnen seine Lieblingszeitung/Lieblingsmagazin/Lieblingssendung, auf die er schwört, die er in den Himmel lobt, die er immer gut findet.

Aber bei mir persönlich (und ungefähr bei jedem weiteren Nachwuchsjournalisten, den ich danach gefragt habe) sieht das anders aus.

Wenn Sie Zeit mitbrächten, könnte es eine lange Liste werden (die übrigens fast täglich länger wird) – der springende Punkt scheint mir aber: ich lese nicht den Spiegel, weil es der Spiegel ist. („Spiegel“ lässt sich hier durch verschiedenes ersetzen). Ich lese nicht auch Prantl, weil es Prantl ist.

Ich lese/höre/schaue nach Themen. Nach dem, was mich interessiert. Was mich neugierig macht, was ich für wichtig halte. Meist schaue ich gar nicht danach, wer das überhaupt geschrieben hat (eine weitere Ihrer Lieblingsfragen…). Ab und zu konsumiere ich auch das gleiche Thema in verschiedenen Medien, vergleiche, was mir besser gefallen hat, ob jemand Zusammenhänge besser erklärt. Aber es ist nicht so, dass Y da immer besser als X wäre.

Wer mir diese Geschichte liefert, ist mir völlig egal. Mal gefällt mir etwas in der Zeit gut, mal in der SZ oder der FAZ, mal brand eins. Mal punktet Dradio Wissen, dann wieder wer anders. Und ja – ich lese auch Blogs. Wissenschaftsblogs, Medienblogs, Designblogs.

Warum sollte man die Vielfalt, die es gibt, nicht restlos ausnutzen und sich nur ansatzweise festlegen?

(Un)reflektiert (3)

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Atelier 20zehn